| Das ist der Brief, in dem die Klasse 8b ihre Forderung für Hitzefrei an die Schulleitung stellt.
Sehr geehrter Herr Breunig,
der Sommer dieses Jahr ist spät – aber unübersehbar. Hechelnde, missgelaunte Schüler brüten in den Klassenzimmern, die Temperaturen steigen weiter. Der Unterricht verliert bei 33° Celsius kontinuierlich an Qualität. Die beste Lösung, um die heißen Tage noch ertragen zu können, wäre deshalb Hitzefrei.
Nun werden Sie meinen, das Klima in den Klassenräumen könnte gar nicht besser sein, denn mit neuen, elektronischen Rolläden braucht es keine Mühe, um die Säle abzudunkeln. Doch die Renovierung ist noch nicht einmal so weit vorangeschritten, dass man diese überhaupt betätigen kann. Auch ist es verboten, die hinteren Fenster zu öffnen, sodass dieser Teil der Klasse einem Brutkasten gleicht. Deshalb haben wir Schüler überhaupt keine Möglichkeit, uns bei diesem schwül-heißen Wetter Abhilfe zu verschaffen.
Da wundert es auch nicht, dass die Konzentration bei Schülern und Lehrern vor allen Dingen in den späten Schulstunden nachlässt. Die Kinder werden in den stickigen Sälen zunehmend unruhig und die Lehrer schaffen es oft nicht, sie wieder zur Ruhe zu bewegen, geschweige denn zum Arbeiten zu bringen. Auch die Lehrer entkräftet das zusehends. Doch der Konzentrationsmangel hat noch weitreichendere Folgen. Die Unfallgefahr steigt, denn wie schnell ist man unachtsam und verletzt sich auf Treppen und Gängen.
“Doch ist der Unterrichtsausfall wirklich gerechtfertigt?”, werden Sie sich fragen. Aber wenn man sich überlegt, wie unkonzentriert und erschöpft die Schüler sind, ist es wirklich sinnvoller sie früher zu entlassen, als sie weitere vergeudete Stunden in den Klassenräumen zu behalten.
Und die Gesundheit der Schüler ist unter solchen Umständen auch ernsthaft in Gefahr. Die Zahl der Hitzetoten liegt jährlich bei 4500 Personen, Hauptbetroffene sind auch Kinder. Hitzeschäden und Hitzestress, -erschöpfung, -schlag und Hitzekrämpfe. Auch bei Ohnmachtsanfällen, ausgelöst durch Kreislaufprobleme, können sich Betroffene ernsthaft verletzen, wenn sie mit dem Kopf aufkommen. Die Risiken sind für Schüler und Lehrer einfach zu hoch, und auch der Unterricht ist weniger effektiv. Deshalb fordern wir Hitzefrei. Und mal ehrlich – wäre es nicht schöner, die letzten heißen Tage noch einmal nutzen zu können?
Hochachtungsvoll, 8b |
Anbei eine Zusammenfassung der Antwort des Schulleiters:
Nachdem Herr Breunig sich für unseren “freundlichen” Brief bedankt, kommt er auch gleich zur Sache: Angeblich gäbe es das Thema Hitzefrei nicht mehr, seit die Verwaltungsvorschrift des Kulturministeriums in Mainz gestrichen wurde. Nun läge diese Entscheidung beim Schulleiter. Herr Breunig gibt zu verstehen, dass er sich trotzdem mit den anderen Schulleitern Bad Dürkheims einigen müsste. Auch wenn er zugibt, dass es sehr heiß war, schreibt er, dass es für ihn erst Hitzefrei gäbe, wenn es über einen längeren Zeitraum hinweg sehr heiß bleibe. Außerdem verlässt er sich auf die neue Technik im Haus, welche die Temperatur in den Sälen relativ angenehm halten sollte. Zum Schluss erwähnt er noch, dass wir nicht die Einzigen wären, die unter dieser enormen Temperatur leiden würden. Er erlaubt sich, darauf hinzuweisen, dass “Gleichaltrige”, die eine Ausbildung machen, eben dieses Wort nicht mehr kennen würden, da es so etwas außerhalb der Schule nicht geben würde. |